Alle Jahre wieder wird uns die PISA-Studie beschert

Alle Jahre wieder die PISA-Studie unter dem Weihnachtsbaum

„The more students are grouped by ability, the lower their motivation to learn.“ (Dylan, William, renommierter britischer Erziehungswissenschaftler zur Pisa-Studie auf Twitter). Schwächen dieser Studie zeigte u.a. der Bildungsforscher Prenzel auf (Zeit Nr. 50 2015, S. 86 f), wenn er den Auftrag von Pisa in erster Linie beim „messen“ sieht. Es werden ausschließlich kognitive Fähigkeiten gemessen. Soziale Kompetenzbereiche, wie z.B. Teamfähigkeit, die in der Wirtschaft mindestens genauso gefragt sind, können nicht gemessen werden.

Diejenigen Länder, die bei PISA ganz vorne liegen, haben einen ganz geringen Anteil von Migrantenkindern in den Schulen. Dieser Faktor wird überhaupt nicht berücksichtigt. In Korea und Japan besitzt das Lernen und Pauken einen derart hohen Stellenwert, dass z.B. Korea die höchste Selbstmordrate bei Schülerinnen und Schülern hat. Auf den Hochhäusern wurden Zäune errichtet, um die Kinder vor dem Herunterspringen zu hindern. Schöne Bescherung! Wollen wir derartige Verhältnisse auch bei uns?

Die Beachtung der Ergebnisse der Pisa-Studie insbesondere bei der Bildungspolitik in Deutschland ist total überzogen. Nach dem „Schrei des Entsetzens“ und dem so genannten „Pisa-Schock“ vor zwölf Jahren setzte eine regelrechte Pisa-Hysterie ein. In 10 Jahren setzte die Berliner Schulverwaltung Schüler, Lehrer und Eltern mit über 24 strukturellen Reformen unter erheblichen Druck, was teilweise krank machte. Nachdem immer mehr Lehrerinnen und Lehrer krank wurden, sahen sich die Schulverwaltungen einiger Bundesländer gezwungen, etwas für die Lehrergesundheit zu tun, um ihrer gesetzlich vorgeschriebenen Fürsorgepflicht nachzukommen, die in Berlin vorsätzlich vernachlässigt wird. Ganze Institute widmen sich aktuell der Lehrergesundheit.

Erst vor Kurzem bewies Hattie in seinen Metastudien „Visible Learning“ (Hattie et al. verglich über 50 000 Studien mit 83 Millionen Schülerinnen und Schülern), dass nicht Strukturreformen, sondern der Lehrer, die Lehrerin entscheidend für den Lernerfolg sei. Hattie spricht von Empathie, Zuwendung, Verständnis und einem guten Feed-Back, während die deutschen Reformer am grünen Tisch Maßnahmen aus dem Wirtschaftsmanagement (Klippert) bemühten, was m.E. auf die Schule angewandt vollkommen verfehlt ist, weil es im Umgang mit Heranwachsenden Kriterien gibt, die wesentlich wichtiger für die Entwicklung Heranwachsender sind (s.o.).  Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in den Vordergrund zu rücken ist zwar nicht verkehrt, muss aber auf die Schule angewandt, völlig anders konzipiert werden als in der Wirtschaft. Der größte Teil der Kolleginnen und Kollegen macht eine hervorragende, aufopferungsvolle Arbeit mit zusätzlichem zivilgesellschaftlichen Engagement. Das hält Schule zusammen.

LASST ENDLICH DIE LEHRERINNEN und LEHRER IN RUHE IHRE ARBEIT MACHEN!

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