Pisahysterie

zur aktuellen Pisastudie

„The more students are grouped by ability, the lower their motivation to learn.“ (Dylan, William, renommierter britischer Erziehungswissenschaftler zur Pisa-Studie auf Twitter). Schwächen dieser Studie zeigt auch der Bildungsforscher Prenzel auf (Zeit Nr. 50, S. 86 f), wenn er den Auftrag von Pisa in erster Linie beim „messen“ sieht. Es werden ausschließlich kognitive Fähigkeiten gemessen. Soziale Kompetenzbereiche, wie z.B. Teamfähigkeit, die in der Wirtschaft mindestens genauso gefragt sind, können nicht gemessen werden.

Die Beachtung der Ergebnisse der Pisa-Studie in Deutschland ist total überzogen. Nach dem „Schrei des Entsetzens“ und dem so genannten „Pisa-Schock“ vor zwölf Jahren setzte eine regelrechte Pisa-Hysterie ein. In 10 Jahren setzte die Berliner Schulverwaltung Schüler, Lehrer und Eltern mit über 24 strukturellen Reformen unter erheblichen Druck, was teilweise krank machte. Nachdem immer mehr Lehrerinnen und Lehrer krank wurden, sahen sich die Schulverwaltungen einiger Bundesländer gezwungen, etwas für die Gesundheit dieser Berufsgruppe zu tun, um ihrer gesetzlich vorgeschriebenen Fürsorgepflicht nachzukommen. Ganze Institute widmen sich aktuell der Lehrergesundheit.

Erst vor Kurzem bewies Hattie in seinen Metastudien, dass nicht Strukturreformen, sondern der Lehrer ausschlaggebend für den Lernerfolg sei. Hattie spricht von Empathie, Zuwendung, Verständnis und einem guten Feed-Back, während die deutschen Reformer am grünen Tisch Maßnahmen aus dem Wirtschaftsmanagement bemühten wie z.B. Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement, was m.E. auf die Schule angewandt vollkommen verfehlt ist, weil es im Umgang mit Heranwachsenden andere Kriterien gibt, die wesentlich wichtiger für die Entwicklung Heranwachsender sind. Jetzt euphorisch von einem „Seufzer der Erleichterung“ zu sprechen erscheint sehr übertrieben.

Herr Kerstan disqualifiziert sich selbst (Zeit Nr. 50, S. 85), wenn er den Lehrern bescheinigt, mit den Bildungsstandards nichts anfangen zu können, wo doch die Fachkonferenzen seit Jahren diese Standards im jeweils eigenen Fach umsetzen, ggfs. neu formulieren, sie in Form von Jahresplänen ins Internet stellen (ist alles nachzulesen) und sie den Eltern und Schülern versuchen zu erläutern.

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