Archive for the ‘Schule und Erziehung’ Category

„Umdenken oder Untergehen“, Auf der Suche nach einem neuen Bildungsbegriff und Die Wirtschaftswissenschaft entdeckt die ökonomischen Vorteile sozialer Kompetenz

Samstag, Dezember 2nd, 2017

Die ZEIT veröffentlichte in ihrer Ausgabe N°44 vom 26. Oktober 2017 zwei bemerkenswerte Artikel:

  1. Auf der Suche nach einem neuen Bildungsbegriff Titelt Probst: „Umdenken oder untergehen!“[1] Probst wendet sich dem Entwurf eines neuen Bildungsideals zu, gegen Selbstbezug und Autonomie, Begriffe, die seit der Aufklärung die Bildung charakterisieren. Dieses „neue“ Ideal basiere auf unserer Lebenspraxis, in der alles mit allem verbunden ist“. Die Rede sei von einer öko-sozialen Wende nach Hörl, in der es um Schwarmintelligenz gehe, „um Empfangen und Senden, Teilen und Weiterleiten, Modifizieren und Montieren“, um „Stricken von Netzen“. Alles andere als ein für alle Mal festgelegte, unverrückbar vorgefertigte Konzepte. „Gebildet sein müsse heute heißen: sich berühren lassen von der Mitwelt, ein Verständnis des Lebensnetzes, das menschliche und nichtmenschliche Akteure fortwährend koproduzieren. (…)  Es würde eine Frage der Bildung sein, welchen Weg wir einschlagen. Eine Frage auch jener nun nötig gewordenen »Elementarbildung zur Industrie«, die Johann Heinrich Pestalozzi bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts imaginierte. Denn die Welt könne im Sinne des Schönen, des Seltenen, der Schonung und des Miteinanders genutzt und programmiert werden – oder eben nicht.“ Diese „Erziehung zur Postdemokratie“ würde das Bewusstsein dafür schärfen, wann ein Produkt oder Programm „auf Kosten der menschlichen oder nichtmenschlichen Mitwelt hergestellt oder eingesetzt wird oder sich gegen sie verschließet“.
  2. Es überrascht vielleicht, dass gerade die Wirtschaftswissenschaft entdeckt, welche ökonomischen Vorteile das Mitgefühl und die Empathie als Kernkompetenzen auch für das Wohlbefinden der Menschen untereinander mitbringt. Zwischenmenschlichkeit, anständig und hilfreich sein, wird neu verortet. Singer, Direktorin für soziale Neurowissenschaft am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, sagt, dass wissenschaftlich fundierte Programme entwickelt werden, „um Qualitäten wie Mitgefühl auf der Welt zu stärken“. Die Einnahme der Perspektive des Gesprächspartners ist eine Komponente. Prosoziale Kompetenzen, in denen sich Kinder mehr als zuvor um andere kümmern, besser mit ihnen zusammenarbeiten und mit mehr Vertrauen auf sie zugehen, gelten als Schlüsselqualifikationen auf dem Arbeitsmarkt. Ökonomie wird begriffen als Wissenschaft der Charakterbildung (Ernst Fehr). Die Kernfrage lautet: Welche Art von Menschen produziert eine Gesellschaft? Lässt der (Leistungs-)Druck nach (Wettbewerb fördere Aggressionen), weitet sich der Blick, und wir nehmen die Umwelt ganz anders wahr. Das Mitgefühl gewinnt die Oberhand. Was Menschen antreibe und was sie wollen, sagt Snower, entstehe überhaupt erst im Miteinander. Die Weisheit der Masse zähle mehr als die Vision des Vorgesetzten.[2]

Emotionale Kompetenzen zu erwerben und emotionale Intelligenz beim Kind zu entwickeln und zu fördern, in der Wissensgesellschaft oft unterbewertet und vernachlässigt und von Kant als „Urteilsfähigkeit“ bezeichnet, stellt gerade in der heutigen Zeit m.E. eine Schlüsselqualifikation dar, ist eine der herausragenden erzieherischen Herausforderungen zur Befriedung der Welt (in erster Linie der eigenen Umwelt).

Die Empathieforschung sagt: „(…) nicht nur die Wissensinhalte verdienen eine Überprüfung auf gezielte Empathieschulung. Auch in der Didaktik (also der Theorie und Praxis des Lehrens und Lernens) bedarf es eines Umdenkens. So ergänzt und festigt die einfühlende Beziehung zwischen Lehrpersonal und Schülern die vermittelten Inhalte auf einer formal-theoretischen Ebene. Deshalb der Aufruf an Politik und Entscheidungsträger im Bildungsbereich: Im didaktischen Dreieck Lehrer – Schüler – Lehrinhalt muss Empathie neu verortet und nachhaltig verankert werden. Eine Bildungssozialisation, in der bereits Kleinstkinder auf Konkurrenz und Leistung gedrillt werden, hinterlässt erheblichen Schaden in der Selbst- und Fremdwahrnehmung, der sich ein Leben lang auswirken kann.“[3]

[1] Probst, Maximilian, in: Die Zeit N°44 v. 26. Oktober 2017, S. 66f.

[2] vgl. Heuser, Uwe Jean: Wir statt Gier, in: Die Zeit N°44 v. 26. Oktober 2017, S. 21f, Artikel zum Buch: Heuser, Uwe Jean: Kapitalismus inklusive, So können wir den Kampf gegen die Populisten gewinnen, Edition Körber, Hamburg 2017.

[3] http://www.das-empathische-gehirn.de/blog/die-neue-bildungsstarre-oder-empathie-als-erziehungsziel-und-stil/

„Ehe für alle“

Montag, Juli 24th, 2017

Ja ist ja und nein ist nein, oder habe ich mich da verhört?

Ich frage mich: Was ist an der Ehe attraktiv, dass so viele Menschen die sog. „Ehe für alle“ wollen?

Die Unabhängigkeit davon, was der Staat für bestimmte Personengruppen zulässt und regelt, (nicht „was der Staat und seine Gesetze bestimmen“, denn bestimmen kann er hier gar nichts) halte ich in diesem Zusammenhang für unbedingt notwendig. In Überzeugungen kann und darf der Staat nicht hineinreden. Einerseits dürfen sich die Kirchen meiner Meinung nach vom Staat nichts „aufzwingen“ lassen, andererseits begrüße ich, dass die Kirchen dem Staat nichts mehr diktieren können. Die Trennung von Kirche und Staat bedeutet für mich eine größere Entscheidungsfreiheit zugunsten eigener Überzeugungen.

Warum sollte also die „Ehe für alle“ von Staats wegen nicht begrüßenswert sein? Nicht weil viele Menschen das wünschen und man dem sog. Zeitgeist hinterherrennt, um Wahlen zu gewinnen, sondern weil zwei eine verbindliche Bindung eingehen wollen? Rein ökonomische Interessen und Wahlkampfgezeter mal beiseite gelassen, so ist anerkennenswert, dass es hier auch um andere Werte wie gegenseitige Wertschätzung bzw. Liebe geht. Gemeinsame Übernahme von Verantwortung ist nicht nur in Partnerschaften, sondern gerade auch bei Adoptionen gefragt.

Ich möchte ein Lanze brechen für die Ehe und nicht gegen sie (C&W 30 v. 20. Juli 2017). Nach 38 Ehejahren (katholisch getraut), in denen meine Partnerschaft und unsere Familie nicht immer nur harmonische Zeiten erlebte (wer kann das schon nach so vielen Jahren von sich behaupten?), finden meine Freunde und ich es richtig, dass wir mit unseren Partnerinnen zusammen geblieben sind, auch in schwierigen Zeiten. Weil wir dankbar dafür sind, sprechen meine Frau und ich gerne darüber. Damals, kurz nach unserer Trauung, sagte mir jemand: „Jetzt ist die Mark nur noch halb so viel wert.“ Ich konterte: „Im Gegenteil, denn geteilte Freude ist doppelte Freude.“ – „Ich möchte mit dir alt werden“, hört man allenthalben. Immer, wenn ich bereit war, auf meine Pläne und Vorstellungen zu verzichten, wenn ich meiner Frau gut zuhörte und mich voll und ganz auf sie einließ, erfuhren wir eine Bereicherung unseres Lebens, eröffneten sich neue, unerwartete Perspektiven.

Frage ich meine Schülerinnen und Schüler, welches sie als das erstrebenswertestes Gut im Leben finden, so antworten fast alle: Eine belastbare, dauerhafte Beziehung zu haben. Die Treue sei wichtiger als Geld und Erfolg.

Wenn ich mich nach reiflicher Überlegung für eine Partnerschaft entscheide, die für mich lt. Eheversprechen das ganze Leben dauern soll, so habe ich kein Wegwerfprodukt gebucht. Eine eheliche Beziehung ist für mich keine kurzfristige Angelegenheit. Jede Beziehung, egal ob sie längerfristig oder nur beiläufig in einer kurzen Begegnung stattfindet (auch ohne Worte), hat nach meiner Überzeugung bleibenden Charakter. Sie verändert mich und ebenfalls die andere Person. Martin Buber sagt, dass in jeder Begegnung etwas Drittes entsteht, was beide übersteigt und beeinflusst. Buber nennt es „das Zwischen“, ich würde es einfach „Beziehung“ nennen, weil sie nicht nur eine leere Floskel ist, sondern eine reale Möglichkeit darstellt.

Die Ehe bedeutet für uns nicht nur Verantwortungsübernahme für den Ehepartner, die Ehepartnerin, sondern ist auch eine gesellschaftliche Verantwortung, nicht zuletzt für die Kinder. Die Familie als kleinste Zelle der Gesellschaft ist nach unserer Auffassung nicht, wie viele behaupten, in Auflösung begriffen, sondern befindet sich in einer tiefgreifenden Krise, die unserer Meinung nach überwunden werden wird. Wer sich nach zwei oder drei Jahren vom Ehepartner oder der Ehepartnerin abwendet, weil „die Liebe nicht mehr da sei“ o.Ä., hat sein Eheversprechen falsch verstanden.

Ich möchte einmal einen Vergleich wagen (Vergleiche hinken ja bekanntlich oft):

Wenn sogar Staatsoberhäupter geschlossene und unterschriebene internationale Verträge (eingegangene Verpflichtungen) einfach für null und nichtig erklären, weil es ihnen nicht in den Kram passt, was sind dann dem Bürger seine Versprechen noch wert? Erst in der Prüfung beweist sich das Versprechen. Jedes Versprechen harrt auf seine Einlösung, die naturgemäß nicht gleich und sofort, sondern erst mit der Zeit erfolgt. Wie oft hören wir von den Kindern: „Das hast du mir versprochen.“

Soll eine Partnerschaft nachhaltig sein, ist m.E. die gegenseitige Wertschätzung ein sehr wichtiger Aspekt. Verschiedene Erhebungen belegen, dass kirchlich geschlossene Ehen länger halten, dass auch die Partner länger leben. Der kirchliche Segen, in der katholischen Kirche Sakrament genannt, ist sicher kein Garant dafür, dass Frau und Kinder nicht verprügelt werden. Damit so etwas nicht geschieht und die Ehe nicht scheitern soll, kommt zu diesem Segen m.E. eine ganz persönliche Entscheidung hinzu, die immer wieder erneuert werden muss, weil sonst mit der Zeit, insbesondere in schwierigen Situationen, die Zuneigung und die Wertschätzung für den anderen Partner/die Partnerin weniger werden kann. Das gilt meiner Meinung nach auch für gleichgeschlechtliche Beziehungen. Die christliche Einstellung kann eine wertvolle Hilfe sein

Eines der schönsten Erlebnisse im Leben einer Beziehung ist das gemeinsame Überwinden von Hürden und Schwierigkeiten. Das schweißt zusammen und gilt natürlich gleichermaßen auch für gleichgeschlechtliche Beziehungen.

 

FRIEDEN

Freitag, Dezember 23rd, 2016

Der Krieg kündigt sich durch Schimpfworte an.
Afrikanisches Sprichwort

Wer den Frieden liebt, muss genauso effektiv arbeiten wie die Kriegstreiber.
Wenn diese Kriegspropaganda treiben, müssen wir mit allen Kräften für den Frieden werben.
Martin Luther King

Wenn du deine Hand ausstreckst, mich zu töten,
werde ich nicht meine Hand ausstrecken, dich zu töten;
denn ja, ich fürchte Gott, den Herrn der Welten.
Koran, Sure 5:28

Frieden beginnt mit einem Lächeln.
Lächle fünfmal am Tag einem Menschen zu, dem du gar nicht zulächeln willst.
Tu es um des Friedens willen.
Mutter Teresa

Wenn ihr verzeiht,
vergebt und Nachsicht übt,
so ist auch Allah es,
der euch vergibt und sich eurer erbarmt.
Koran, Sure 64:14

Der Herr zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen!
Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und
Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.
Jesaja 2,3-4

Hütet euch, hütet euch, Rache zu nehmen, selbst dann, wenn jemand nach deinem Blut dürstet.
Hütet euch, hütet euch, die Gefühle eines anderen zu verletzen, auch wenn er ein Übeltäter ist und euch Böses wünscht. Schaut nicht auf die Geschöpfe, wendet euch ihrem Schöpfer zu.
Abdu’l-Babá

Wahrer Friede bedeutet nicht bloß die Abwesenheit von Konflikten, sondern die Gegenwart von Gerechtigkeit.
Mahatma Gandhi

Ein friedfertiger Mensch ist mehr nütze als ein gelehrter.
Thomas von Kempen

Der Friede geht aus von dem, der Liebe sät und sie Taten werden lässt.
Die Werke der Liebe sind immer Werke des Friedens; wo Liebe ist, da ist Frieden.
Mutter Teresa

Der Frieden kommt durch Verständigung, nicht durch Vereinbarung.
Arabisches Sprichwort

Krieg ist, wenn Menschen aufeinander schießen, die sich nicht kennen,
auf Befehl von Menschen, die sich wohl kennen, aber nicht aufeinander schießen.
George Bernard Shaw

Der Friede vermag alles, der Krieg nichts.
Bruno Kreisky

Die deutliche Sprache der Gewehre verstehen immer nur die Erschossenen.
Wolf Biermann

Frieden kannst du nur haben, wenn du ihn gibst.
Marie von Ebner-Eschenbach

Dauernder Friede kann nicht durch Drohungen, sondern nur durch den aufrichtigen Versuch vorbereitet werden, gegenseitiges Vertrauen herzustellen.
Albert Einstein

Der Friede Gottes ist nicht Ruhe, sondern treibende Kraft.
Albert Einstein

Die Erhaltung des Friedens beginnt damit, dass der einzelne Mensch friedliebend ist. Wer selbst keinen inneren Frieden kennt, wird auch in der Begegnung mit anderen Menschen keinen Frieden finden.
Dalai XIV. Lama

Bei Gott, er ist nicht gläubig!
Bei Gott, er ist nicht gläubig!
Bei Gott, er ist nicht gläubig!
Schwor der Prophet.
»Wer ist nicht gläubig, o Gesandter Gottes?« fragten seine Gefährten.
»Derjenige, vor dem sich sein Nachbar nicht sicher fühlen kann.«
Muslimische Überlieferung

Jeder Krieg ist eine Niederlage.
Any war is a defeat.
Toute guerre est une défaite.
Ogni guerra e una sconfitta.
Johannes Paul II

Im Frieden werden die Väter von ihren Söhnen begraben, im Krieg aber die Söhne von ihren Vätern.
Herodot

Im Krieg verliert auch der Sieger.
Italienisches Sprichwort

Nicht der Krieg, der Friede ist der Vater aller Dinge.
Willy Brandt

Gewalt schafft niemals einen dauerhaften Frieden.
Martin Luther King

Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden.
Paulus an die Römer
Nachdem ich zum Verzicht bereit war, fand ich den Frieden.
Antoine de Saint-Exupéry

Durch Begegnung entsteht Friede.
Ralf Kennis

Die Friedensliebe fängt damit an, dass man aufhört, von gerechten Kriegen zu sprechen.
Sigmund Graff

Welch große Eroberung ist der Friede! Wenn du einem Menschen den Frieden schenkst, würde er lieber zahllose weitere Schmerzen auf sich nehmen, als ihn wieder zu verlieren. Denn alle zusammen wiegen nicht ein Leben ohne Frieden auf.
Chiara Lubich

Frieden entstammt einem in sich ruhenden Herzen, das keinen Neid kennt und nicht nach materiellem Gewinn giert.
Yehudi Menuhin

Wenn man Frieden will, muss man immer derjenige sein, der zuerst die Hand reicht.
Yitzak Rabin

Teilweise aus: Der Friede lässt uns keine Ruhe. Hundert Worte über den Frieden. Wilhelm Mühs (Hg), Verlag Neue Stadt, Münchener Str. 2, D – 85667, Oberpframmern, München 2001, 112 Seiten, www.neuestadt.com, ausgewählt von R. Kennis

FRIEDEN

Freitag, Dezember 23rd, 2016
Der Krieg kündigt sich durch Schimpfworte an.
Afrikanisches Sprichwort

Wer den Frieden liebt, muss genauso effektiv arbeiten wie die Kriegstreiber.
Wenn diese Kriegspropaganda treiben, müssen wir mit allen Kräften für den Frieden werben.
Martin Luther KingWenn du deine Hand ausstreckst, mich zu töten,
werde ich nicht meine Hand ausstrecken, dich zu töten;
denn ja, ich fürchte Gott, den Herrn der Welten.
Koran, Sure 5:28 Frieden beginnt mit einem Lächeln.
Lächle fünfmal am Tag einem Menschen zu, dem du gar nicht zulächeln willst.
Tu es um des Friedens willen.
Mutter Teresa

Wenn ihr verzeiht,
vergebt und Nachsicht übt,
so ist auch Allah es,
der euch vergibt und sich eurer erbarmt.
Koran, Sure 64:14Der Herr zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen!
Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und
Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.
Jesaja 2,3-4 Hütet euch, hütet euch, Rache zu nehmen, selbst dann, wenn jemand nach deinem Blut dürstet.
Hütet euch, hütet euch, die Gefühle eines anderen zu verletzen, auch wenn er ein Übeltäter ist und euch Böses wünscht. Schaut nicht auf die Geschöpfe, wendet euch ihrem Schöpfer zu.
Abdu’l-Babá
Wahrer Friede bedeutet nicht bloß die Abwesenheit von Konflikten, sondern die Gegenwart von Gerechtigkeit.
Mahatma Gandhi

Ein friedfertiger Mensch ist mehr nütze als ein gelehrter.
Thomas von Kempen

Der Friede geht aus von dem, der Liebe sät und sie Taten werden lässt.
Die Werke der Liebe sind immer Werke des Friedens; wo Liebe ist, da ist Frieden.
Mutter Teresa

Der Frieden kommt durch Verständigung, nicht durch Vereinbarung.
Arabisches Sprichwort

Krieg ist, wenn Menschen aufeinander schießen, die sich nicht kennen,
auf Befehl von Menschen, die sich wohl kennen, aber nicht aufeinander schießen.
George Bernard Shaw

Der Friede vermag alles, der Krieg nichts.
Bruno Kreisky

Die deutliche Sprache der Gewehre verstehen immer nur die Erschossenen.
Wolf Biermann

Frieden kannst du nur haben, wenn du ihn gibst.
Marie von Ebner-Eschenbach

Dauernder Friede kann nicht durch Drohungen, sondern nur durch den aufrichtigen Versuch vorbereitet werden, gegenseitiges Vertrauen herzustellen.
Albert Einstein

Der Friede Gottes ist nicht Ruhe, sondern treibende Kraft.
Albert Einstein

Die Erhaltung des Friedens beginnt damit, dass der einzelne Mensch friedliebend ist. Wer selbst keinen inneren Frieden kennt, wird auch in der Begegnung mit anderen Menschen keinen Frieden finden.
Dalai XIV. Lama

Bei Gott, er ist nicht gläubig!
Bei Gott, er ist nicht gläubig!
Bei Gott, er ist nicht gläubig!
Schwor der Prophet.
»Wer ist nicht gläubig, o Gesandter Gottes?« fragten seine Gefährten.
»Derjenige, vor dem sich sein Nachbar nicht sicher fühlen kann.«
Muslimische Überlieferung

Jeder Krieg ist eine Niederlage.
Any war is a defeat.
Toute guerre est une défaite.
Ogni guerra e una sconfitta.
Johannes Paul II

Im Frieden werden die Väter von ihren Söhnen begraben, im Krieg aber die Söhne von ihren Vätern.
Herodot

Im Krieg verliert auch der Sieger.
Italienisches Sprichwort

Nicht der Krieg, der Friede ist der Vater aller Dinge.
Willy Brandt

Gewalt schafft niemals einen dauerhaften Frieden.
Martin Luther King

Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden.
Paulus an die Römer
Nachdem ich zum Verzicht bereit war, fand ich den Frieden.
Antoine de Saint-Exupéry

Durch Begegnung entsteht Friede.
Ralf Kennis

Die Friedensliebe fängt damit an, dass man aufhört, von gerechten Kriegen zu sprechen.
Sigmund Graff

Welch große Eroberung ist der Friede! Wenn du einem Menschen den Frieden schenkst, würde er lieber zahllose weitere Schmerzen auf sich nehmen, als ihn wieder zu verlieren. Denn alle zusammen wiegen nicht ein Leben ohne Frieden auf.
Chiara Lubich

Frieden entstammt einem in sich ruhenden Herzen, das keinen Neid kennt und nicht nach materiellem Gewinn giert.
Yehudi Menuhin

Wenn man Frieden will, muss man immer derjenige sein, der zuerst die Hand reicht.
Yitzak Rin

Teilweise aus: Der Friede lässt uns keine Ruhe. Hundert Worte über den Frieden. Wilhelm Mühs (Hg), Verlag Neue Stadt, Münchener Str. 2, D – 85667, Oberpframmern, München 2001, 112 Seiten, www.neuestadt.com, ausgewählt von R. Kennis

Die Erwachsenen wollen uns nicht verstehen, „wir sollen Maschinen sein“

Donnerstag, Dezember 15th, 2016

Heute aktueller denn je.

Eine 15jährige Schülerin schreibt in „Die Zeit“ (Nr. 34 v. 18. August 2011, S. 11) unter dem Titel „Mein Kopf ist voll“: „Auf dem Gymnasium wird uns beigebracht, uns eine eigene Meinung zu bilden, aber nicht, wie wir sie äußern und damit etwas bewirken können. Ich finde aber, wenn einen etwas stört, ganz egal, wie winzig es für jemand anderen sein mag, muss man dagegen kämpfen. Es mag für einige übertrieben klingen, aber die Schule nimmt mir gerade das Wichtigste, was ich besitze: meine Kindheit.“

An anderer Stelle sagt Yakamoz Karakurt, die auf ihrem Zeugnis überall nur einsen und zweien hat: „Aber ich frage mich, ob einige der Erwachsenen, die Entscheidungen für uns treffen, schon einmal versucht haben, sich in uns hineinzuversetzen? Damit meine ich jeden Erwachsenen, den es überrascht, was ich hier schreibe. Sie wissen nicht, wie es uns geht, weil sie es nicht wissen wollen. Wir sollen Maschinen sein, die funktionieren und das mindestens 10 Stunden am Tag. Aber funktionieren heißt nicht gleich lernen. Lernen bedeutet nämlich vor allem eins: Erfahrungen sammeln.“

Dem Populismus wie begegnen? ein Vorschlag

Mittwoch, Dezember 14th, 2016

Mein Eindruck: In der öffentlichen Diskussion in Deutschland schlägt das das Pendel ­­­ nach der Trump-Wahl wieder in eine völlig andere Richtung aus: Verständnis zeigen für Befürchtungen und Ängste in der Bevölkerung angesichts eines wachsenden Populismus, der ziemlich schnell auch in Ausgrenzung und Abschottung gegenüber  Migranten, Andersdenkenden, usw. führt. Wer Ängste schürt, leistet dem Ganzen negativen Trend weiteren Vorschub.

Wesentlich effektiver ist meiner Meinung nach, dem Ganzen etwas Positives gegenüber zu stellen. Ängste oder Phobien kann und sollte man, so sagt die Psychotherapie, therapieren, behandeln und ihnen nicht nachgeben, sich ihnen nicht hingeben.

Sich ihnen zu verschließen oder sie zu ignorieren, bedeute jedoch, ihnen weiteren Vorschub zu leisten. Verständnis für die Menschen, die Ängste äußern, halte ich für richtig, jedoch könnten wir bei allem Mitgefühl auch Beispiele aus unserer positiven Lebenspraxis, von denen es sehr viele gibt, aufzeigen, wie z.B. die viel zitierte Willkommenskultur sowie die vielen Menschen, die sich nach wie vor für Flüchtende, Obdachlose, arme, kranke und alte Menschen engagieren..

Wenn ich höre, dass Europa, für dessen Einigkeit ich immer eingetreten bin, sich abschottet, schäme mich für mein Land und dieses Europa, das ganze Familien wieder abschieben oder den Familienzuzug begrenzen will und empfinde meine/unsere jahrelange Arbeit als überflüssig, unnütz, sollten sie wieder gehen müssen. Wovor oder vor wem müssen wir uns eigentlich „schützen“? Schützen muss man sich doch vor Überfällen, vor Aggressoren. Das sind aber nicht die flüchtenden Menschen. Insofern finde ich Merkels Politik nach wie vor gut und richtig. Natürlich müssen wir mehr Anstrengungen unternehmen, die Ursachen der Flucht zu beseitigen, damit die Menschen in ihren eigenen Ländern eine Perspektive für sich und ihre Familien bekommen.

Alle Jahre wieder wird uns die PISA-Studie beschert

Mittwoch, Dezember 14th, 2016

Alle Jahre wieder die PISA-Studie unter dem Weihnachtsbaum

„The more students are grouped by ability, the lower their motivation to learn.“ (Dylan, William, renommierter britischer Erziehungswissenschaftler zur Pisa-Studie auf Twitter). Schwächen dieser Studie zeigte u.a. der Bildungsforscher Prenzel auf (Zeit Nr. 50 2015, S. 86 f), wenn er den Auftrag von Pisa in erster Linie beim „messen“ sieht. Es werden ausschließlich kognitive Fähigkeiten gemessen. Soziale Kompetenzbereiche, wie z.B. Teamfähigkeit, die in der Wirtschaft mindestens genauso gefragt sind, können nicht gemessen werden.

Diejenigen Länder, die bei PISA ganz vorne liegen, haben einen ganz geringen Anteil von Migrantenkindern in den Schulen. Dieser Faktor wird überhaupt nicht berücksichtigt. In Korea und Japan besitzt das Lernen und Pauken einen derart hohen Stellenwert, dass z.B. Korea die höchste Selbstmordrate bei Schülerinnen und Schülern hat. Auf den Hochhäusern wurden Zäune errichtet, um die Kinder vor dem Herunterspringen zu hindern. Schöne Bescherung! Wollen wir derartige Verhältnisse auch bei uns?

Die Beachtung der Ergebnisse der Pisa-Studie insbesondere bei der Bildungspolitik in Deutschland ist total überzogen. Nach dem „Schrei des Entsetzens“ und dem so genannten „Pisa-Schock“ vor zwölf Jahren setzte eine regelrechte Pisa-Hysterie ein. In 10 Jahren setzte die Berliner Schulverwaltung Schüler, Lehrer und Eltern mit über 24 strukturellen Reformen unter erheblichen Druck, was teilweise krank machte. Nachdem immer mehr Lehrerinnen und Lehrer krank wurden, sahen sich die Schulverwaltungen einiger Bundesländer gezwungen, etwas für die Lehrergesundheit zu tun, um ihrer gesetzlich vorgeschriebenen Fürsorgepflicht nachzukommen, die in Berlin vorsätzlich vernachlässigt wird. Ganze Institute widmen sich aktuell der Lehrergesundheit.

Erst vor Kurzem bewies Hattie in seinen Metastudien „Visible Learning“ (Hattie et al. verglich über 50 000 Studien mit 83 Millionen Schülerinnen und Schülern), dass nicht Strukturreformen, sondern der Lehrer, die Lehrerin entscheidend für den Lernerfolg sei. Hattie spricht von Empathie, Zuwendung, Verständnis und einem guten Feed-Back, während die deutschen Reformer am grünen Tisch Maßnahmen aus dem Wirtschaftsmanagement (Klippert) bemühten, was m.E. auf die Schule angewandt vollkommen verfehlt ist, weil es im Umgang mit Heranwachsenden Kriterien gibt, die wesentlich wichtiger für die Entwicklung Heranwachsender sind (s.o.).  Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in den Vordergrund zu rücken ist zwar nicht verkehrt, muss aber auf die Schule angewandt, völlig anders konzipiert werden als in der Wirtschaft. Der größte Teil der Kolleginnen und Kollegen macht eine hervorragende, aufopferungsvolle Arbeit mit zusätzlichem zivilgesellschaftlichen Engagement. Das hält Schule zusammen.

LASST ENDLICH DIE LEHRERINNEN und LEHRER IN RUHE IHRE ARBEIT MACHEN!

Im Zeitalter der Faktenchecks

Dienstag, Dezember 13th, 2016

Ist das, was ich gerade gelesen oder gehört habe postfaktisch oder nicht?

Wer wirklich daran interessiert ist, herauszufinden, was wirklich stimmt, ist auf Faktenchecks auch angewiesen, aber nicht nur. In der allgemeinen Kakophonie, wo teilweise auch wissentlich Des- bzw. Falschinformationen vor allem in den elektronischen Medien verbreitet werden, weil Meinungen manipuliert werden sollen, sollte man sehr vorsichtig mit dem sein, was gerade verbreitet wird, egal wo. Eine objektive Berichterstattung gibt es und gab es nie. Diese Erkenntnis setzte sich im sog. Informationszeitalter immer mehr durch, insbesondere wenn Roboter Beiträge verfassen und den Meinungsaustausch manipulieren (s. Zeit Nr.46 2016). Skepsis ist allenthalben angebracht, auch um sich selbst zu schützen.

Deine Meinung ist wichtig. Meine auch. Für den Einzelnen wird es jedoch immer schwieriger, sich eine eigene Meinung zu bilden angesichts der Komplexität in einer globalisierten Welt. Einige gehen sogar so weit, zu sagen, dass eigene unabhängige Meinungsbildung heute nicht mehr möglich sei. Diese ist jedoch von Bedeutung, wenn Entscheidungen zu fällen sind, im Kleinen wie im Großen. Wer gibt heute zu, fehlerhafte Entscheidungen aufgrund von Falschinformationen getroffen zu haben? Davon bleiben wir alle aber nicht verschont. Aus dem Bauch heraus zu argumentieren ist zuerst einmal sehr einfach. Auch Emotionen sind ein Fakt. Ihnen jedoch nachzugeben und aus ihnen heraus Argumentationen zu konstruieren (Hassparolen z.B.), wenn offensichtlich ist, dass diese anderen schaden bzw. negative Folgen für andere haben können, ist das ratsam für ein gedeihliches Zusammenleben der Menschen untereinander?

„Die Wahrheit liegt in der Mitte“ sagt ein Sprichwort. Sie zu entdecken in den Grenzen unserer Interpretationsmöglichkeiten, die jedem Menschen gesteckt sind, darin besteht die Herausforderung unserer Zeit. Sich anderen Sichtweisen zu öffnen, im anderen die gleichen Grenzen zu erkennen, ermöglicht Dialog. In ihm kann eine neue Interpretation der Wahrheit gefunden werden, neue, nicht festgefahrene und vordefinierte Horizonte können gemeinsam erspürt (im wahrsten Sinne des Wortes) werden. Nicht das Beharren auf eigene Ansichten, sondern das Anerkennen der anderen ebenfalls begrenzten Überzeugungen führt m.E. letztendlich weiter. In einem derartigen Dialog wird nichts a priori abgelehnt, was der Suche nach dem Richtigen und Wahren in den Wissenschaften, aber auch in der Technologie oder einfach im gegenseitigen Meinungsaustausch dienen soll. Gemeinsame existenzielle Erfahrungen können nicht nur die Interpretationen des anderen akzeptieren, sondern können  konstruktive Dialogsituationen ermöglichen, in denen sich Wege zur Wahrheitsfindung eher eröffnen.

 

Muslime in meinem Unterricht

Donnerstag, Mai 12th, 2016

Bereits mehrmals wurde ich zu einer Stellungnahme über meine Erfahrungen mit muslimischen Schülerinnen und Schülern gebeten:

40 Jahre arbeitete ich als Lehrer an mehreren Berliner Gesamtschulen. In diesen vier Jahrzehnten hatte ich seit Beginn muslimische Schülerinnen und Schüler in meinem Unterricht und in meinen Klassen, die ich als Klassenlehrer betreute. Manchmal waren es nur ca. 20% (vor allem zu Beginn meiner Laufbahn), manchmal über 80% Muslime in einer Gruppe. Die letzten 6 Jahre unterrichtete ich auch das Fach Ethik, welches in Berlin zu einem Pflichtfach wurde. Mit diesen Gruppen besuchte ich christliche Kirchen, Moscheen und beispielsweise buddhistische Gemeinschaften in Berlin. Wir behandelten ganz offen Themen wie: Das Tragen des Kopftuches, die Rolle der Frau im Islam, usw. Zusammengefasst in einem Satz: In ganz wenigen Fällen (ich erinnere mich nur an zwei – in wie gesagt 40 Dienstjahren) war der Islam für meine Schülerinnen und Schüler ein konfliktbeladenes Thema. Für die Jugendlichen (Klassenstufe 7 bis 13) war es nie ein Problem, mit andersgläubigen jungen Menschen zusammen in die Schule zu gehen. Konflikte entstanden ab und zu aus pubertären Gründen (zwischen Jungen und Mädchen) und zwischen Türken und Arabern. Im Ethikunterricht waren es die muslimischen Mädchen, die – im Gegensatz zu den deutschen Schülerinnen und Schülern – ethisch fundierte Meinungen zu verschiedenen Themen vertraten, beispielsweise zur Rolle der Familie in der Gesellschaft. Ich denke gerne zurück an meine fast nur positiven Erfahrungen mit muslimischen Schülern.

Über die jetzige Diskussion wundere ich mich immer wieder.

Teamteaching

Donnerstag, März 24th, 2016

Zum Artikel „Die neuen Lehrer“ in ZEIT N°10 2016

Bei der  Gründung der Gesamtschulen vor ca. 45 Jahren, die damals in Berlin Regelschulen wurden, war das sog. Teamteaching durchaus geplant, jedoch sehr wenig praktiziert, ich vermute aus finanziellen Gründen. Zwei Lehrer in einer Klasse. Wie gerne hätte ich solche Bedingungen zu Beginn meiner Karriere vorgefunden. Wir waren alle jung und hoch motiviert, konferierten wöchentlich in Jahrgangs- und Fachteams und trafen uns in privaten Wohnungen außerhalb der Schule an Wochenden zur Entwicklung gesamtschulspezifischer Curricula und Materialien. Gegenseitige Hospitationen und sowohl Lehrer- als auch Schülerfeedbacks sowie der kollegiale Austausch über einzelne Schülerinnen und Schüler während der zahlreichen „Springstunden“ (stundenplanbedingte Freistunden, die auch als Bereitschaftsstunden für eventuelle Vertretungen genutzt wurden) auch an den Nachmittagen der Ganztagsschulen waren an der Tagesordnung. Die Studie bestätigt das: »Ein Vergleich der in der Schule vorfindbaren Rahmenbedingungen verdeutlicht, dass insbesondere an vollgebundenen Ganztagsschulen günstige Ausgangsbedingungen für die Schaffung von Kooperationsbeziehungen gegeben sind. Dazu gehören die Integration von Kooperationszeiten in den Arbeitsalltag, die Präsenz von Lehrkräften am Nachmittag, die Unterstützung durch die Schulleitung und auch die stärkere Etablierung von Kooperationsstrukturen in Form von Jahrgangsteams oder jahrgangsübergreifenden Fachgruppen.«(S. 35) Jeder Lehrer besaß außerdem einen Arbeitsplatz in der Schule, jedes Fachteam hatte ein eigenes Lehrerzimmer, so dass fast immer ein Fachkollege/ein Kollegin anspechbar war. Weiterhin waren in den Planungen für die neu zu gründenden Gesamtschulen Sozialpädagogen und Schulpsychologen ausgewiesen, die in der Schule anwesend und immer ansprechbar sein sollten, ein Versprechen, das nicht eingehalten wurde. Bedauerlicherweise wurde das Gesamtschulkonzept von der Politik klein- fast möchte ich sagen kaputtgeredet. Die Schulen unterlagen spätestens seit den 90er Jahren in Berlin einem rigorosen Sparzwang. Jedes Jahr gab es neue Mittelkürzungen, so dass schließlich die Gesamtschule zum Scheitern verurteilt war, obwohl wesentlich mehr Schülerinnen und Schüler die Hochschulreife erlangten als zur Zeit des dreigliedrigen Schulsystems. Dieses wurde parallel beibehalten, m.E. ein Fehler, den die Politik erst vor Kurzem bei der Einführung der Sekundarschulen in Berlin korrigierte. Der Titel „Die neuen Lehrer“ in ZEIT N°10 2016 ist demnach genauso anwendbar auf  die Gesamtschullehrer der 1970er und 1980er Jahre. Für diese Erfahrung bin ich dankbar und wünsche jedem Kollegen und jeder Kollegin der in Ihrem Artikel erwähnten Schulen Durchhaltevermögen sowie weiterhin einen hohen Motivationsgrad. „Neue Lehrer“ mit einer hohen Kooperationsbereitschaft gab es zu jeder Zeit. Kooperation ist jedoch nicht alles. Hinzu kommen müssen entsprechende Rahmenbedingungen. Jedoch bin ich skeptisch gegenüber der Behauptung von Kunter, dass „der Lehrer am Limit“ eine Randerscheinung sei, da nach meiner Erfahrung die wenigsten Lehrerinnen und Lehrer das reguläre Rentenalter erreichen. Auch dazu gibt es repräsentative  Studien.

Ralf Kennis