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Pegida und AfD

Freitag, Dezember 19th, 2014

aktualisiert am 07.03.2016

Pegida ist lt. Zeit-Kommentar ein diffuser Zusammenschluss unterschiedlicher Strömungen, meist von rechts aber auch aus dem linken Lager, sie ist eine „Zulaufgemeinschaft politischen Missbehagens“ (Zeit 52/14). Die Ängste der Menschen zu verstehen und ihnen zu begegnen dürfte die Hauptaufgabe der Politik sein, die es in den vergangenen 25 bis 30 Jahren versäumte, auf die Bedürfnisse der Menschen insbesondere nach der friedlichen Revolution von 1989 einzugehen. Man erklärte die ehem. DDR kurzerhand zum „Beitrittsgebiet“, wickelte vieles ab und ließ die Menschen, vor allem die Jugend, allein. Was dabei heraus kam, war eine Radikalisierung junger Menschen als Folge von Orientierungslosigkeit und auch Perspektivlosigkeit. Diese Angst „irrational“ zu nennen (C&W 52/2014), die Pegida-Bewegung oder den „Friedenswinter“ pauschal in irgendeine Ecke zu drängen oder gar auszugrenzen, hilft nicht weiter. 15.000 Demonstranten und 85.000 Fecebook-Freunde sprechen eine deutliche Sprache: Versteht uns in dieser Republik überhaupt jemand? „Hier soll nicht mehr argumentiert werden“ (Maas) ist eine verkehrte Haltung. Neutral bleiben ist auch keine Option. Ich stimme Göring-Eckardt zu, wenn sie den Ausschluss der AfD auf dem Katholikentag 2016 für richtig hält. „Gerade wenn die Stimmung aufgeheizt wird, ist es gut, wenn wichtige gesellschaftliche Anker Haltung haben und diese auch offen zeigen.“ (C&W N°10 v. 25.02.2016). Sie verteidigt jedoch ihre Gesprächsbereitschaft z.B. bei Talkshows. Das Gespräch nicht abbrechen und gerade deswegen Haltung bewahren. Finde ich gut. 40 Jahre unterrichtete ich an unterschiedlichen Gesamtschulen Berlins Gruppen, in denen meist muslimische Zuwanderer die Mehrheit bildeten. Bei manchen Themen (z.B. Rolle der Frau) hielt ich im Unterricht voll dagegen und wurde trotzdem akzeptiert. Konflikte unter Muslimen und Deutschen gab es nicht, jedoch unter Arabern und Türken. Wenn die Situation nicht weiter eskalieren soll, muss miteinander geredet, argumentiert werden. Verharmlosung und Sprechverbote heizen die Stimmung nur noch mehr an. Deutschland und die EU braucht Einwanderung und aus humanitären Gründen Flüchtlinge aufzunehmen ist unsere Pflicht. Dass so etwas nicht zum Nulltarif geht, leuchtet ein. In Deutschland gibt es eine sehr hohe Bereitschaft, Bedürftigen zu helfen, wenn miteinander kommuniziert wird.