Ruin der Bildung?

Ruin der Bildung?

Ein Pädagoge hat nicht nur die Probleme der eigenen Klasse, sondern auch die aller Lehrer und Lehrerinnen, Erzieher und Erzieherinnen im Auge.

Deutschland ist ein Niedriglohnland geworden, mit allen Konsequenzen, die damit verbunden sind: Die Schere geht immer weiter auseinander, immer größer werdende Armut, auch Altersarmut (viele ältere Leute, die 45 bis 50 Jahre geschuftet haben, können sich noch nicht einmal ein Essen auswärts leisten geschweige denn verreisen, sie müssen sich mit 70,75 Jahren noch als Klofrau etwas dazu verdienen), jedes 5. Kind ist so arm, dass es sich noch nicht einmal das subventionierte Schulessen leisten kann, die Kinder kommen ohne Geld (können sich daher kein Mittagessen leisten) und oft ohne gefrühstückt zu haben, manchmal ungewaschen in die Schule.

Der Wirtschaft und einigen Wenigen geht es immer besser, jedoch die Allgemeinheit geht den Bach herunter (man spricht inzwischen von einem Ruin der Bildung aufgrund der Einsparungen in den letzten beiden Jahrzehnten; habe ich am eigenen Leib erfahren dürfen). Einige aktuelle Zahlen:
▪    Viele Arbeiter sind heute selbstständig und reisen in der ganzen Republik herum (fern von Familie und Kindern), um wenigstens 14 Tage im Monat Arbeit zu finden und die Familie ernähren zu können, ohne ausreichende Altersvorsorge geschweige denn eine Unfallversicherung abschließen zu können (man hofft, dass halt nichts schief geht),
▪    75%  aller neuen Jobs sind Zeitverträge (franz.: intérim),
▪    88%  aller Angestellten in Hoschulen sind befristet beschäftigt, das bedeutet: danach geht die Suche nach Arbeit von vorne los, Zitat: „es ist dieses sich immer wieder verkaufen müssen. Es macht mich traurig. Mir tut es weh, weil es nicht gut ist für mein Kind.“
▪    Deutschland hat 910.000 Leiharbeiter, „das verunsichert“ (ein Feinmechanikermeister mit zahlreichen Zusatzqualifikationen),
▪    8.189.000 Zeitarbeiter werden als „Jobwunder“ verkauft, die Arbeitslosigkeit sei so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr (sie bekommen weniger Gehalt für die gleiche Tätigkleit wie die Festangestellten und fühlen sich somit weder zur Belegschaft zugehörig noch als ein vollwertiger Mensch, außerdem hat diese nicht verlässliche Arbeitssituation gravierende Auswirkungen auf die Familienplanung, siehe oben, sowie die Kinder, die bildung und die gesamte Gesellschaft.

Hier bleibt die Fürsorge des Staates vollkommen auf der Strecke. Diese Politik riskiert sehenden Auges einen Ausverkauf der Bildung, einen Niedergang der Familie sowie der sozialen Strukturen, die Politik riskiert eine immer größer werdende Unmut durch die sozialen Ungerechtigkeiten. Deshalb: Indignez-vous! Empört euch! (Stéphane Hessel)

Die Hoffnung stirbt zuletzt, jedoch im Sinne unserer Mitmenschen, unserer „Nächsten“, müssten wir da nicht unsere Politiker ein wenig mehr aufrütteln? Wir Pädagogen können nicht tatenlos bleiben und uns in Theorien vertiefen – das ist auch wichtig, aber in erster Linie Strategien erarbeiten,  in welcher Weise zuerst wir selbst Unterstützung leisten können (falls der Beruf uns noch die Zeit und Kraft dazu gibt) und dann aber unmissverständlich, konsequent und mit Nachdruck die Politik auf diese Missstände aufmarksam machen, vor denen sie oft genug die Augen verschließt.

Über den Niedergang der demokratischen Kultur, demokratischer Regeln und Gepflogenheiten, wurde hier noch gar nichts gesagt. Das ist ein weiteres, noch anspruchvolleres Thema.

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